STUSS
     MUND

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31.08.21 28.08.21 25.08.21 22.08.21 19.08.21 10.08.21 07.08.21 04.08.21 01.08.21
GESCHICHTSMASKE.

Was ich immer noch nicht so richtig begriffen habe, ist wie das mit dem Wachstum, der Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit verbunden werden soll. Wachstum an sich ist ja immer problematisch, sofern es sich nicht um unterseeische Korallen handelt, die in zehntausend Jahren zehn Zentimeter wachsen. Wir wachsen über uns selbst hinaus und schrumpfen auf ein Umwelt verträgliches Maß zurück, damit die Dinge wieder maßvoll werden. Solange es bei einer Maß bleibt, wird das Maß nicht voll werden und Maßschneider machen das Maß gerecht. So bleibt die Hälfte aller Herrenreiter, in ihren Maßanzügen stecken, denn wer nicht wirklich Maß halten kann, muss eine Maß trinken, was ganz und gar nicht maßvoll ist. Ich messe den Raum zwischen den unbeantworteten Fragen der Maßlosen und der Maßhalter, bis das Maß zu Brunnen geht und einen Meter dazu nimmt. Wer kein Pferd hat, reitet auf einem Besen.

Wir schliefen aus, frühstückten, erkundeten das alte Haus, den selbst im Winter noch verwunschenen Garten und das kleine Dorf. Am späten Nachmittag fuhr ein Wohnmobil auf dem Hof ein, dem zwei Frauen aus Christiania und ihr Hund entstiegen. Zu ihrem Gepäck gehörte ein schier unerschöpflicher Grasvorrat. Sie wurden uns als Bente und Smilla vorgestellt, waren mindestens zehn Jahre älter als wir und kaum das sie saßen, begannen Bente und Smilla eine Tüte nach der anderen zu bauen. Gaby und ich fanden das großartig, die Frauen gefielen uns, Bente und Smilla kamen überaus souverän rüber, aber HaHe war gar nicht begeistert. Unter dem Vorwand, dass wir am nächsten Tag noch einen Großeinkauf für die nächsten Tage und das Silvesterfest zu erledigen hätten, nötigte er Gaby früh ins Bett. Cauca und Stefan folgten ihnen bald, aber ich blieb bis das Kaminfeuer nieder gebrannt war, die letzte Tüte geraucht war und dann hob ich völlig verzückt von meinem Bett im verzauberten ersten Stockwerk ab und flog hinaus. Grau und neblig dämmerte der Morgen und ganz langsam schälten sich die Konturen der weißen Seevögel von den schwarz glänzenden Äckern ab. Die Welt hinter den Luftblasigen Fensterscheiben war mindestens genauso geheimnisvoll, wie etliche der Gegenstände die mich im Schlaf umgaben. Als ich aufstand waren HaHe, Gaby und Stefan schon zum anstehenden Großeinkauf aufgebrochen. Cauca half Bente und Smilla beim Gemüse schnippeln und ich war ihr sehr dankbar dafür, dass sie klar signalisiert hatte, dass wir keineswegs alle zum Einkaufen mitkommen mussten. Der lauwarme Tee schimmerte etwas ölig, war sehr schwarz und half mir völlig wach zu werden, ansonsten gab es nur Müsli. Dann gingen wir mit dem Hund raus und ich fand mich am Boden meines nächtlichen Traumes wieder. Der Nebel hatte sich zurück gezogen, an die Ränder kleiner Gehölze, in Bodenniederungen, über Gräben. Außer ein bisschen Grün, gab es nur Schwarz und Grau und glitzerndes Wasser in den Ackerfurchen. Schweigend spazierten wir durch die feuchte Luft, dem Hund gefiel es, er tobte in die verwunschene Landschaft hinaus, auf der Suche nach Knochen und Stöckchen, aber wenn Bente oder Smilla pfiffen, kam er sofort zurück, nur um ganz schnell wieder los zu rennen. Das Cauca Hunde liebte, entging ihnen nicht und langsam erfuhren wir mehr über die Freistadt Christiania, bei deren Gründung Bente und Smilla dabei gewesen waren.

Berge kann man nicht führen.

EVAS KUR.

Wann genau der Staat seine Verantwortlichkeit abgegeben hat, weiß ich nicht, aber das ständige Gerede darüber, dass notwendige Dinge aus finanziellen Gründen nicht durchgesetzt werden können, ist krank. Im Zuge der Coronakrise wurden viele Steuermilliarden ausgeschüttet, um die Befindlichkeiten von Anteilseignern und Aktionären großer Autokonzerne zu bedienen, aber für genug Sicherheitskräfte in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist kein Geld mehr da. Schafft endlich wieder Arbeitsplätze, denn nichts verteilt den gesellschaftlichen Reichtum besser um, als anständig bezahlte Arbeit. Videoüberwachung ist allein für sich für den Arsch, richtig gut ist sie nur ergänzt durch menschliche Gesellschaft und Interpretation. Das Wissen Macht ist stimmt so auch nicht, macht aber zumindest Mut und weckt den Wunsch nach mehr.

Mit dem Wohngemeinschaftsauto, einem von mir knallgelb gestrichenem Opel Diplomat Kombi, machten wir uns ein paar Tage vor Silvester, auf nach Dänemark. Das geräumige Auto hatte HaHes Vater uns überlassen, nachdem das schwarzbunte Ufo seine letzte Reise ins Nirvana der Verbrennungsmotoren angetreten hatte. Das war nicht ganz uneigennützig von ihm, er ersparte sich die lästigen Reparaturen für den fälligen TÜV und legte sich einen neuen, größeren Jahreswagen, der Opel Kombi Reihe zu. Für HaHe, Gaby, Cauca, ihren Freund Stefan und mich, sowie unser Gepäck, war der gelbe Waal groß genug. Unser Ziel lag am nördlichsten Ende Dänemarks, noch hinter Aalborg, in einem winzigen Kaff zwischen Aalbaek und Emmersbaek. Die ganze Gegend war winterlich kahl, roch nach Meer und feuchter Erde und wir brauchten eine Weile, bis wir das alte Haus endlich gefunden hatten. Versteckt hinter den schwarzen Stämmen, seit ewigen Zeiten immer wieder beschnittener Bäume, in mitten eines verwilderten Gartens, duckte es sich schon über zweihundert Jahre in die windige Landschaft und über dem von zwei Säulen flankiertem Eingang, war der in Stein gemeißelte Name des Hauses, mittlerweile unleserlich geworden. Das Haus war ganz und gar zauberhaft. Im sehr niedrigen, renovierten Erdgeschoss befand sich eine moderne, gut ausgestattete Küche, ein überaus großzügiges Esszimmer mit anschließendem, nicht minder großzügigem Wohnzimmer, in dessen Kamin schon ein Feuer brannte. Vom Wohnzimmer ging es dann noch in ein Schlafzimmer und vom Schlafzimmer wieder in die Diele, an deren niedriger Decke die Gras Ernte des Jahres zum Trocken aufgehängt war. Ich hatte noch nie soviel Gras auf einmal gesehen. Am Ende der Diele befand sich das Badezimmer, ebenfalls renoviert und die Treppe hoch zum ersten Stock, der noch völlig unrenoviert war. Dort schliefen wir denn auf alten Bettgestellen, umgeben von merkwürdigen, uns teilweise völlig unbekannten Gegenständen, die wahrscheinlich mindestens hundert Jahre älter waren als wir. Das Glas der staubigen Fenster war unregelmäßig und voller Luftblasen und wenn man hindurchschaute veränderte sich die Welt ein bisschen. Auf der dunklen Krume leergefegter Äcker, tummelten sich Heerscharen schneeweißer Vögel vom Meer. Vagabundierende Wolken warfen ihre Schatten über das Land und wanderten weiter, in die fernen Landschaften der Phantasie.

Klimakiller fliegen nicht zum Sieg.

PILLER INSTINKT.

Mein Traum ist „Weekend for Future“. Nicht ganz bequem die Schule schwänzen, sondern sich wirklich einbringen. Nicht die von der Allgemeinheit, der eher gering verdienenden und benachteiligten Steuerzahler und Steuerzahlerinnen, finanzierte Bildung, einfach in den Wind schlagen, sondern endlich mal selber verzichten. Nicht immer nur mit dem Finger auf andere zeigen, sondern anfangen und es besser machen. Sonnabend Demo, Sonntag ökologische Projekte. Nicht tanzen in Barcelona oder sonst wo, statt dessen Ackerkrumen pflegen in Brandenburg. Müllvermeidung, langlebige Klamotten, Eitelkeit ade, Reisen nur zu Fuß oder zu Pferd. So wird die Zukunft aussehen. Wer nicht mitmachen will, bestellt sich einen Giftcocktail und beamt sich aus dem System. Unterm Radar fliegen Fledermäuse und krause Gedanken über den Rand hinaus, denn an den Rändern hat sich das System schon lange aufgelöst.

Grün schimmerte es in den Wipfeln der Bäume, der Wald fing an zu leuchten und Jesper übergab sich. Er fiel auf die Knie, wälzte sich auf dem Boden und dann fing er an zu lachen und lachte immer weiter, bis Sofia ihm eine kräftige Ohrfeige gab. Im Wald sangen unsichtbare Dämonen, Jens schlug den Rhythmus auf der Rahmentrommel und rief die singenden Geister zum Feuer und die Geister kamen und stimmten in den Gesang seiner Mutter ein. Aber der grüne Dämon gab noch lange nicht auf und blies ins Feuer, bis die Funken himmelhoch stoben und Jesper sich wieder auf dem Boden wälzte und ohnmächtig wurde. An dieser Stelle machte Tore ein Pause, verlangte nach härterem Stoff und kurz darauf stand eine Flasche Ouzo auf den Tisch. Wir stießen an, auf die Freiheit, die Kunst, die Liebe, die Phantasie und auf die andere Welt, nicht nur im Geäst des Kirschbaum. Es wurde ziemlich unangenehm, der grüne Teufel wütete rund ums Feuer, riss alle möglichen Pflanzen aus, kotze in die Gegend und grub tiefe Löcher, bis er direkt vor Sofia stand, die ihm die Hand reichte. Der Dämon schrie weiter, aber er kam nicht an Sofia vorbei und dann nahm er ihre Hand, lachte irrsinnig und löste sich in Luft auf. Jesper war immer noch ohnmächtig, als Tore und Jens ihn ins Haus trugen. Sie brachten ihn in Jens Atelier und dort spielte Tore die Goge, bis Jesper zu sich kam. Obwohl keiner von ihnen wirklich sagen konnte, woran es gelegen hatte, war Jesper bei sich angekommen. Der grüne Dämon tauchte nie wieder auf, aber die hysterischen Lachanfälle wurden zu einem festen Bestandteil von Jespers Leben und Tore hatte kein Problem damit, denn er wusste nur zu genau, wer damit in seine Schranken gewiesen wurde. Wir schliefen gründlich aus und dann rief Cauca bei Freunden in Bremen an und machte Schlafplätze und Auftrittsmöglichkeiten, für unsere Freunde aus Dänemark klar. Die Jungs reisten weiter und sie reisten einen ganzen Sommer lang, von Wohngemeinschaft zu Wohngemeinschaft, bis in den tiefen Süden der Bonner Republik. Sie schrieben uns ganz bezaubernde Postkarten, von den Orten ihrer Auftritte und dann luden sie uns ein, Silvester mit ihnen in Dänemark zu verbringen und nach langen Diskussionen nahmen wir das Angebot an. HaHe war dagegen, aber Cauca, Gaby und ich waren dafür und so machten wir uns denn zum Jahresende auf den Weg nach Dänemark.

Auch an den Fortschritt muss man glauben.

LALL HÖHE.

Wer wissen will, warum es nichts werden wird, mit der Rettung des Klimas, wirft einfach einen Blick ins nächtliche Schanzenviertel dieser Tage. Völlig unreflektiert und ohne jegliche Hemmungen, tobt sich ein überwiegend jugendliches Party Pack, ohne Anstand und Abstand dort aus. Müll Vermeidung nein danke, Rücksicht nur auf mich selbst, muss Party, muss tanzen, muss blöd sein, so wird das alles nichts. Nur Rechte keine Pflichten. Wild enthemmt schwirren alle möglichen Transportmittel, überwiegend von fossilen Brennstoffen angetrieben, durch die Hauptverkehrsmeile und die Nebenstraßen, um die Feierwütigen von A nach B und sonst wohin zu transportieren. Kinder die sich nur über den Energieverbrauch anderer Menschen, aber nie über ihren eigenen Gedanken machen. Wenn die Ordnungskräfte dann, eher widerwillig zum Eingreifen gezwungen werden, tituliert man sie als Faschisten, denn wer es sagt, der ist es auch.

Am späten Nachmittag hatten sie genug Fallholz gesammelt, um ein stattliches Lagerfeuer die ganze Nacht in Gang zu halten. Sofia bat alle darum sich zu waschen, das Vorhaben nochmal gründlich im Geist durchzugehen und pünktlich zur Lagebesprechung in der Küche von Jens Mutter zu erscheinen. Draußen begann es zu dämmern, Umrisse verschwammen, Konturen lösten sich auf. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte das Feuer gut brennen und über dem Feuer würde Sofia den grünen Geist mit dem grünen Rauch magischer Pflanzen beschwören. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Sitzungen waren Rauchwaren und Getränke ausdrücklich erlaubt, die Stimmung sollte so gelöst wie möglich sein. Dann kam der Clou, Jens Mutter würde singen, denn was im Ensemble um die Goge noch fehlte, war der Gesang einer menschlichen Stimme. Seit ihrer Jugend hatte sie erst im Schulchor und später in einer Schülerband gesungen. Die Band war mit dem Ende der Schulzeit auseinander gegangen, aber Jens Mutter hatte sich ein paar Jahre später einem örtlichen Volksmusikverein angeschlossen und immer weiter gesungen. Sofia hatte es nicht so mit Singen, aber durchaus mit magischem Singsang und damit wollte sie Jens Mutter unterstützen. Dann schickte Sofia Jens, Tore und Jesper los, das Feuer anzuzünden. Bei Einbruch der Dunkelheit tanzten die Flammen, mit seiner Rahmentrommel rief Jens die Geister der anderen Welt, Tore spielte die Goge und Jesper folgte Tore mit der Sanduhrtrommel. Wie endlos dünne Finger zogen grünliche Rauchfahnen in die durchsichtige Finsternis der Sommernacht. An ihre Enden klammerten sich lang vergessene Geister, auf der Suche nach Wärme und Licht. Sofia begrüßte sie alle und für jeden Geist warf sie eine Kastanie ins Feuer unter dem halb vollen Mond. Nicht voll und auch nicht schwarz, um das Gleichgewicht zu erhalten, so hatte Sofia es ihnen erklärt. Jens Mutter sang ein altes Volkslied, die vergessenen Geister machten ihren Frieden mit der Welt und taumelten Nachtfaltern gleich unversehrt in die Dunkelheit zurück. Wie Rumpelstilzchen persönlich, krachte der grüne Gnom mitten in den Frieden hinein und das Feuer verwandelte sich in einen Funken sprühenden Dämon. Völlig ungerührt von seinem Ohren betäubenden Geschrei, sang Jens Mutter weiter und Tore spielte die Goge.

Wer Sonne im Arsch hat, sollte sie nicht dort einsperren.

SCHMAND BESCHLEUNIGER.

Vielleicht wäre es das Beste, eine Regierung aus Experten und Expertinnen einzusetzen, so wie vor ein paar Jahren in Italien. Angesichts dessen, dass gewählt werden die höchste Maxime der meisten Poly Trickster und ihrer Parteien ist, werden wir unsere Probleme niemals lösen können und mittlerweile brennt die Hütte tatsächlich schon. Meteorologen und Meteorologinnen, Ökologen und Ökologinnen, Ozeanografen und Ozeanografinnen, Ökonomen und Ökonominnen, Gesellschaftswissenschaftlern aller Geschlechter, Ingeneiure und Ingeneiurinnen, Erfinder und Erfinderinnen und etliche andere Spezialisten und Spezialistinnen mehr. Mit Kosmetik kann man ein kollabierendes System nicht gesund schminken, vorm Abgrund hilft nur noch eine Vollbremsung und Wirtschaftswachstum rettet das Klima nicht, nur Vernunft und Verzicht.

Letztendlich blieben Tore und Jesper fast drei Monate auf dem Hof von Jens Mutter. Tore war verunsichert, aber er erholte sich schnell und fuhr regelmäßig nach Aarhus zurück, führte sein Studium weiter und sorgte dafür, dass Jesper für das laufende Semester beurlaubt wurde. Sofia kam alle elf Tage auf den Hof, äußerte Wünsche bezüglich der Mittel, die sie für die nächste Sitzung mit dem grünen Ungeheuer benötigte und schickte Tore und Jesper los. Bring mir das Gold einer diebischen Elster, fast unmöglich, bring mir das Moos vom Bett einer Fee, ebenfalls fast unmöglich, bring mir eine blau schillernde Feder des Eichelhähers, eher leicht, bring mir zwölf Zauberpilze, eher schwer, bring mir die Haare dreier wilder Tiere, zu bewältigen, mache dich unsichtbar, großes Fragezeichen. Sofia war anstrengend, aber als Schutzschild gegen den grünen Gnom unschlagbar. Während Jesper sich langsam erholte und einen dünnen Draht zurück in sein bisheriges Leben fand, befassten Jens und Tore sich Nächte lang, mit den einsaitigen Instrumenten in Jens Atelier. Ganz besonders faszinierte sie eine Goge aus dem Sudan, die Jens auf einem Mittelalter Festival in Aalborg, von einem weit gereisten Feuerschlucker, erworben hatte. Die Goge war äußerlich eher unspektakulär, aber ziemlich teuer gewesen, doch Jens wollte sie unbedingt haben. Ein Instrument, bespannt mit der Haut von Waranen, eingesetzt zur Beschwörung von Geistern, die sich in den Mitgliedern des Kultes manifestieren. Besessenheitskulte und Jens war fest davon überzeugt, dass es völlig egal war, ob es sich dabei um afrikanische oder nordische Geister und Gottheiten handelte. In Aarhus besorgte Tore sich alles, was er an Literatur über das Instrument fand und nahm die Bücher mit auf den Hof von Jens Mutter. Sie fanden heraus, dass Gogen nicht nur zur Beschwörung von Geistern benutzt wurden, sondern auch um aufgebrachte Geister zu besänftigen. Als Sofia zur nächsten Sitzung mit dem grünen Gnom erschien, schlugen sie ihr vor, den aufgebrachten Zwerg mittels der Goge zu beruhigen. Sie erzählten Sofia, was sie über den Bori Kult der Hausa in Niger gelesen hatten und obwohl Sofia eher skeptisch reagierte, erklärte sich sich doch damit einverstanden, einen Versuch zu wagen. Die Jagd nach magischen Gegenständen und auch die Schwitzhütten Zeremonie, fielen diesmal aus, stattdessen trug sie Tore und Jesper auf, genug Holz für ein nächtliches Lagerfeuer zu sammeln. Bevor er den verhängnisvollen Elfen Cocktail getrunken hatte, war Musik Jespers Lebensinhalt gewesen und vielleicht würde Musik auch sein seelisches Gleichgewicht wieder herstellen. Sofia wollte sich aber nicht nur auf die Magie der Goge verlassen, die von Tore gespielt werden sollte, sie bestand darauf, dass Jens und Jesper die Goge mit Trommeln begleiten sollten. Die Wahl der Trommeln überließ sie Jens, der eine indische Sanduhrtrommel, durchaus gebräuchlich als Begleitinstrument der Goge und eine lappische Rahmentrommel, eher unüblich, aber von Jens gerne bei seinen schamanischen Ritualen eingesetzt, aussuchte. Mit der Rahmentrommel, die er selbst gebaut hatte, fühlte Jens ich innig verbunden und gut ausgerüstet, für die musikalische Auseinandersetzung mit dem wütenden Gnom.

Lieber Kasse machen, als Kassensturz.

SPINNEN MEERE.

Wer den Dingen auf den Grund gehen will, muss Grundlagenforschung treiben, grundsätzlich grundgerecht bleiben und darf seine Gründe nicht aus den Augen verlieren, denn der Grund der Dinge ist ein schwer vermintes Feld. Gründer haben es da sehr viel leichter, sie müssen nur ein paar Gründe ins Feld führen, einen Kredit beantragen und sich nicht komplett blöd anstellen. Sowieso kann man nur in die Zukunft investieren oder verlieren. Auf der Siegerseite werden bunte Bänder geflochten und Wurmlöcher gestopft, denn wer seine Tore schützen will, kümmert sich um Torschützen. Davor oder dahinter geht ja noch, aber davor ist nicht danach. Wo es um die Wurst geht, wird es nicht automatisch füt eine unbeeintächtigte Ausssicht gesorgt wird, So halten frühe Spatzen denn Mittagsschlaf und späte Mädchen schlafen aus.

Als Tore am Morgen des ersten Schwitzhüttentages aufwachte, war die Welt noch ein bisschen grüner geworden. Zum Frühstück versammelten sie sich wieder in der Küche von Jens Mutter und wie von Jens verordnet, gab es nur Wasser. Hell und klar fiel das Licht der späten Vormittagssonne durch die Küchenfenster und dann traf die Kräuterfrau ein, wurde als Sofia vorgestellt und warf einen tiefen, grünen Schatten in die Küche. Jens Mutter servierte Sofia ein deftiges Frühstück, bei dessen Anblick Tore und Jesper der Magen knurrte, aber Sofia ließ sich das Frühstück völlig unbeirrt schmecken. Sie trank fast eine ganze Kanne tiefschwarzen Tee dazu und als sie fertig war, kramte sie aus ihrer großen, altmodischen Doktortasche einen Beutel hervor, schüttete einen Teil des Inhalts auf den Tisch und baute eine fette Tüte, an der sie mehrfach kräftig zog, bevor sie die Tüte an Jens Mutter weiter reichte. Nachdem die beiden Frauen geraucht hatten, räumte Jens Mutter den Tisch ab und Sofia bat Jens um einen Lagebericht. So kam der grüne Gnom denn wieder an den Tisch, aber unter den Augen der Kräuterfrau, blieb er erst mal ganz still sitzen. Irgendwo trommelte ein Specht und Tore hörte das Blut in seinen Ohren rauschen, Jesper zappelte immer hektischer herum, aber als er aufspringen wollte, packte Sofia ihn am Arm und zwang ihn sitzen zu bleiben. Mit einem schrillen Schrei manifestierte der grüne Zwerg sich in Tores Kopf. Dann stellte Jens Mutter eine Messingschale auf den Tisch und Sofia zerrieb etliche grüne und weniger grüne Kräuter über der Schale und zündete sie an. Dicker, grüner Rauch vernebelte die Küche, bis Jens Mutter für Durchzug sorgte. Zur Schwitzhütte am späten Nachmittag waren alle wieder da. Nackt und gut gewaschen krochen sie in die Schwitzhütte, Jens, Jesper, Tore, Sofia, Jens Mutter und der grüne Zwerg. Jens klappte den Ledervorhang am Eingang zu und goss Kräuterwasser auf die heißen Steine. Es wurde heiß und heißer, Schweiß floss in Strömen und war grün. Der grüne Zwerg fing an zu singen und sein Gesang tat weh. Bäume schrien um ihr Leben, Tiere schrien um ihr Leben, Urwaldriesen wurden gefällt und mit ihnen grüne Universen. Sofia weinte, aber der grüne Teufel wurde immer wütender. Tore vermisste sein schützendes Sofa. Er hätte kotzen können, aber er kotzte nicht, sondern fragte den grünen Geist nach seinem Namen. Das mochte der grüne Zwerg gar nicht, aber als auch Sofia ihn nach seinem Namen fragte, zog er es vor zu verschwinden. In die Stille fielen Nachtfalter, tausendmal schöner als die Dunkelheit der Nacht. An dieser Stelle kehrte Tore zurück, in den Hinterhof an der Wohlers Allee, unter den alten Kirschbaum und die Geister teilten sich. Es ging um Glauben und grundsätzliche Skepsis, und um mehr, denn Tores Geschichte hatte uns alle mitgenommen. Wer waren wir denn, in Abrede zu stellen, was wir nicht wahrnehmen können, oder nur einige von uns wahrnehmen. Fliegen wie ein Vogel, schneller sein als der Wind, über Feuer laufen, über Wasser schweben. Wir sollten uns nicht mehr streiten, denn Streit entzweit, weil wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte und das man Drittmittel einwerben kann, wurde bisher nicht bewiesen.

Den Bogen kann man überspannen, die Botschaft nicht.

STERN ENERGIE.

Wenn mich nicht alles täuscht, sind Werkstudenten die kleinen Brüder von Waldfeen, aber das Blätter nicht vor den Mund gehören, wissen nur Blattmacher und Wendejacken sind auch nicht die ultimative Lösung. Wie man es dreht und wendet, es ändert sich nichts, weder unter noch überm Strich. Wir machen einen dicken Strich durch die Rechnung, denn Strichmännchen stehen auf der Strichliste des Strichcodes. Gestrichen.

An nächsten Tag war Jesper, dass erste Mal seit der verhängnisvollen Nacht des Elfencocktails, wieder wirklich bei sich selbst. An ihrem Küchentisch servierte Jens Mutter ihnen ein sehr spätes Frühstück und dann besprachen sie, wie es weiter gehen sollte. Die Angelegenheit mit dem grünen Gnom war noch lange nicht ausgestanden, aber sie hatte eine Richtung angenommen, die Jens akzeptieren konnte. Jesper würde mindestens noch einen Monat bei ihm bleiben müssen, aber Tore konnte durchaus nach hause zurück kehren, womit Tore ganz und gar nicht einverstanden war. Zwar schuldete er dem grünen Zwerg nichts, er hatte seine magischen Fähigkeiten nicht missbraucht, aber das kleine, grüne Monster hatte sich auch ihm, viel zu deutlich gezeigt. Tore war sehr verunsichert und obwohl es ihm wirklich schwer fiel, wollte er mehr wissen. Jesper hatte eigentlich auch gar nichts dagegen, dass Tore noch bleiben würde und so erklärte Jens sich denn einverstanden, mit dem weiteren Verbleib von Tore und seiner Teilnahme an den den Sitzungen zur Besänftigung der beleidigten, grünen Gottheit. Für den übernächsten Tag hatte Jens eine Sitzung in der Schwitzhütte angesetzt, zu der er eine sehr versierte Kräuterfrau eingeladen hatte. Die Ansage war, dass es nach der Lagebesprechung beim späten Frühstück, bis zur Schwitzhütte nur noch klares Wasser geben würde. Damit hatte Tore nicht gerechnet und im Laufe des Tages und erst recht der Nacht, wurde er immer wacher. Schlaflos wälzte er sich in seinem Bett herum und als es dämmerte stand er auf und ging raus. Die Welt war undurchdringlich und Nebel feucht, Jens und Jesper erwarteten ihn. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg, geschenktes Holz und magische Steine für die Schwitzhütte zu sammeln. Als Tore einen Ast abbrach, wies Jens ihn streng darauf hin, dass Holz so nicht geschenkt werden würde und mit den magischen Steinen war es noch viel schwieriger. Kein einziger Stein den sie fanden genügte Jens Anforderungen, die Steine konnten noch so schön, rundgeschliffen oder Farben prächtig sein, darum ging es nicht. Es ging um das Gefühl, um die Liebe zum Stein, denn die Erde ist ein Stein mit Wasser darauf, wie Jens ihnen erklärte. Es war schon dunkel, als Tore anstatt eines Steines, eine verschrumpelte Kastanie vom Vorjahr aus seiner Hosentasche holte und Jens die Kastanie durchgehen ließ. Zurück in Jens Atelier wollte Tore wissen, woran sich das magische Potential von Gegenständen fest machen würde, woraufhin Jens ihm antwortete, dass man den Stein entweder erkennen würde, oder eben nicht. Ob Magie angeboren oder erlernbar ist, oder zwangsläufig beides, ist ein Phänomen, über das bis heute auf der ganzen Welt gestritten wird. Das magische Universum ist unausweichlich, sowieso viel toleranter und ganz und gar unausrottbar. Wo auch immer die aufsässigen Gedanken landen, die Magie der Beständigkeit bleibt bestehen und selbst Rotkäppchen wird aus dem dunklen Wald ans Licht zurück finden. So umarmt das Licht die Dunkelheit und umgekehrt, denn wer im Schatten steht, will ans Licht zurück kehren. Die Ampel steht trotzdem nicht auf Grün.

Erbsen kann man letztendlich nicht auszählen.

KLIMA KLISTIER.

Das Problem ist, dass alle verzichten müssen und nicht nur die Leute, die man nicht mag. Neu Rom ist ein Irrweg und selbst wenn reisen bildet, so zerstört es die Welt doch auch ganz extrem. Zurück zu den Wurzeln, zur Quelle des Lebens und das Erste worauf wir verzichten müssen, ist reisen, denn reisen zerstört die Umwelt. Zurück zur Spiritualität, die uns im Geist wieder reisen lässt, im Himmel und um die ganze Welt. Weg mit den sozialen Medien, die letztendlich nur die individuelle Phantasie und unser aller Umwelt verschmutzen. Was kostet die Cloud, was ist der Preis von Serverfarmen, von Zugang zum Netz zu jeder Zeit? Feuer im Süden, Wasser im Norden, Gewalt die von Gewalt kommt. Wir schlagen einen Hacken, nicht in die Wand, aber in die Gewalt und stoppen den Zug, denn es ist nie zu spät. Wer nun immer noch früh aufstehen will, hat wirklich selber schuld und ist nicht wirklich zwischen den Zeilen angekommen.

Ich musste an den Neck denken, einen grünen Wassergeist, der mich in meiner Kindheit schwer beeindruckt hatte. Der Neck kam aus einem Märchenbuch im Bücherschrank meiner Großeltern, er hauste auf dem Grund dunkler, morastiger Tümpel und hinterlistig lockte er junge Mädchen in sein finsteres Reich hinab. Er verwandelte sich in einen sehr attraktiven, prachtvoll gewandeten Jüngling und verführte die Jungfrauen mit schönen Worten und golden funkelndem Geschmeide dazu, ihm in den Wald zu folgen. Am Rande seines Tümpels angekommen, küsste er die Jungfrauen und verwandelte sich in ihren Armen in seine ursprüngliche Gestalt und fuhr mit entsetzten Jungfrauen auf den Grund des Tümpels zurück. Das Märchen war gruselig, aber ich wollte es immer wieder hören und manchmal blätterte ich alleine in dem bebilderten Märchenbuch herum und schaute mir den Neck an. Wahrscheinlich musste soviel weibliche Abenteuerlust, obendrein erotischer Natur, bestraft werden, vom Standpunkt der feministischen Literaturwissenschaft her, war das Märchen vom grünen Neck, jedenfalls außerordentlich Frauen feindlich. Die mythologischen Vorfahren des Neck leben seit Anbeginn rund um den Globus, in allen Gewässern der Welt. Wassergeister, nicht nur menschlicher Gestalt, die schottischen Kelpies sind riesige Wasserpferde, im Mittelmeer tummeln sich Meermänner, Chimären mit dem Unterleib eines Fisches und menschlichem Oberkörper. Ihr Erscheinungsbild reicht von Engelsgleich schön, bis mehr so Neck mäßig. Immer wieder tauchen rote Mützen, Mäntel und Schuhe auf, dass einsame Männlein im Wald lässt grüßen, grüne Augen, Haare und Zähne und die magische Gabe mit Gesang und dem Spiel musikalischer Instrumente zu verzaubern. All diese Geister des Wassers sind keineswegs nur grausam und Furcht erregend, manchmal sind sie sogar sehr hilfreich und außerordentlich spendabel, was sie alle eint ist ihr Launenhaftes Benehmen und ihre Unberechenbarkeit. Unberechenbar wie der grüne Datura Gnom, dem Tore begegnet war. Obwohl Tore sich mittlerweile die Ohren zuhielt, hörte er das grüne Monster immer noch mit schriller Stimme lamentieren. Seine Augen konnte er nicht schließen und weil es nichts half, hielt er sich die Ohren auch nicht mehr zu. Der grüne Gnom verlangte nach der Türkiskette um Jens Hals, dem Geschenk eines Navajo Schamanen, bei dem Jens mehrere Jahre in die Lehre gegangen war, was Jens verweigerte. Der grüne Gnom wurde noch wütender und schmiss einen Stuhl um, Tore verspürte wieder das dringende Verlangen, unters Sofa zu kriechen, aber Jens gab noch lange nicht auf, griff in einen Beutel der neben ihm stand und bot dem aufgebrachten Zauberwesen einen großen, kupfergrünen Malachiten an. Die schrille Stimme in Tores Kopf verflüchtigte sich, die Gabe wurde angenommen und die Verhandlungen gingen weiter. Langsam begriff Tore, dass es nicht nur um Jesper ging, sondern auch um die Rechte unendlich vieler anderer Lebewesen, die missachtet und misshandelt worden waren. Der Stern der Götter hatte Rache genommen.

Große Gedanken brauchen nicht viel Platz.

GIER VERSUCHE.

Schon in Altona konnte ich sie nicht mehr aus meiner Wahrnehmung verbannen, ihre Oberbekleidung mit dem klassischen Schriftzug „WOA“ und ihr ausuferndes Gepäck, ließ nur einen Schluss zu, sie wollten zum Festival. Einen offiziell schon seit Monaten abgesagten Festival. Voller als gewöhnlich, tuckerte der Zug aus Altona hinaus, der Metall Jünger auf der anderen Seite des Ganges, trug seinen beeindruckenden Zinken konsequent über der Schutzmaske, aber es war genug Platz, um Abstand zu halten und nach Elmshorn würde sowieso alles besser werden, was sich dann als fundamentaler Irrtum erwies. Der Bahnsteig in Elmshorn war voll, voll mit Metall Fans zwischen sechzehn und sechsundzwanzig Jahren, Kinder mit gigantischem Gepäck. Zum größten Teil standen sie völlig falsch auf dem Bahnsteig, viel zu weit hinten und dann stürmten sie den Zug und verwandelten ihn in eine völlig überfüllte Sardinenbüchse.

An dieser Stelle fiel es Tore sichtlich schwer weiter zu sprechen, unten auf der Elbchaussee rauschte der Feierabendverkehr, die Sonne stand schon tiefer am Horizont und selbst HaHe, der den ganzen Esoterik Kram für völlig überkandidelt hielt, hatte Tore irgendwann konzentriert zugehört. Im Licht der untergehenden Sonne tanzten Mückenschwärme, auf der anderen Seite der Elbe verschwamm der Horizont im diffusen Licht der Dämmerung, in den Baumgruppen, Hecken und Gebüschen des weitläufigen Parks, wurde die Dunkelheit undurchdringlicher, mir fröstelte ein wenig und ich fragte mich, wie es wohl war, vor der Herrschaft des elektrischen Licht. Wohin waren all die Gestalten der Nacht verschwunden, die Elfen und Feen, die Baumgeister, die Pilzzauberer, die Kinder der Blumen und des Windes, als das künstliche Licht seinen grausamen Siegeszug begann. Das gnädige, goldene Licht von Kerzen, musste dem unbarmherzigen Licht viel zu heller Glühbirnen weichen, das noch viel tiefere Schatten schuf. An den Rändern der Eichenwiese hoppelten ein paar Kaninchen vorbei, wir hatten Hunger, aber wir wollten auch wissen, wie es mit dem grünen Gnom weiter gegangen war. HaHe schlug den Hippieladen kurz vor der Ecke Thadenstraße / Bernstorffstraße vor. Die Lokalität war ein echter Geheimtipp, an der Thadenstraße wirkte das Lokal völlig unspektakulär, aber wenn man den langen, schmalen Raum, vorbei an der Küche und den Toiletten, bis zum Ende durchquerte, landete man in einem großzügigen, sehr verwildertem Hinterhof, der von einem riesigem Kirschbaum dominiert wurde. An den Wänden der umliegenden Gebäude wucherte Efeu, die kleinteilige Pflasterung war von Moosen und wilden Pflanzen durchsetzt, die Hippies hatten bunte Lampignons und flackernde Lichterketten installiert, nicht sonderlich gepflegte Kübel mit Blumen aufgestellt und wo es ging alle möglichen esoterischen Symbole aufgehängt. Das Publikum bestand aus eingeweihten Anwohnern, Freunden der Hippies und ein paar Zuhältern vom Kiez. Es gab Pizza, Nudelauflauf, Bratkartoffeln mit Spiegelei, Salat mit und ohne Thunfisch, Quarkspeisen, rote Grütze und Eis. Außer Bier, billigem Rot und Weißwein, den gängigen Schnäpsen, als Zugeständnis an die Besucher vom Kiez, nicht nur billigen Schaumwein, sondern auch teuren Champagner. Als der Schnaps kam, träumten die Geister der Stare in der Krone des alten Kirschbaum, im Wohlerspark tanzten Eichhörnchen und Tore erzählte weiter. Er konnte nicht wirklich sagen, ob der grüne Gnom nun real gewesen war oder nicht, aber für ihn, Jens und Jesper gab es keinerlei Zweifel an der Existenz des grünen Ungeheuers. Am liebsten wäre Tore unters Sofa gekrochen, aber wie paralysiert sah er zu, als Jens mit dem grünen Wesen erst rauchte und dann verhandelte, denn es ging um Jesper, der immer noch jenseits von Gut und Böse auf dem Boden des Ateliers lag. Der Zwerg forderte Wiedergutmachung, Respekt und Einsicht, aber das konnte Jens nur für sich und Jesper zusagen und nicht für den großen Rest der Welt. Der grüne Zwerg wurde wieder wütend und Tore hätte gerne mehr als ein Sofa zur Verteidigung gehabt.

Gendern kommt nicht von ändern.